Lebensspur - Praxis

Kreative Leibtherapie

Kreative Leibtherapie Nana Hartig Emmendingen

 

Der Begriff „Leib“ erscheint altertümlich, er bezieht sich aber auf den indogermanischen Wortstamm „lib“, was „Leben“ und „lebendig“ bedeutet. „Leib“ meint den Menschen, wie er die Welt erlebt. In der kreativen Leibtherapie geht es also um sinnliche und sinnhafte Erfahrungen des ganzen Menschen: um körperliche Empfindungen, um innere Bilder, Vorstellungen und Gedanken, um Gefühle und auch um das Erleben von Beziehung. Das ist nichts Statisches und nichts Messbares, sondern es ist ein subjektiver und individueller Prozess in jedem Menschen. Genau diese Vorgänge des Erlebens werden in der therapeutischen Interaktion zwischen Klient und Therapeut bewusstgemacht. Ein wichtiges Kriterium dafür ist die Resonanz, die „Schwingung“, die im Raum, in der Interaktion zwischen Therapeut und Klient entsteht und spürbar ist. Kreative Therapeutinnen sind darin geschult, Resonanzphänomene wahrzunehmen, zu benennen und nach Bedarf in den therapeutischen Prozess einzubringen. Wenn Worte allein nicht reichen, kommen kreative Methoden zum Tragen: Bilder, Gestaltungen, Töne, Klänge und Bewegungen des Körpers im Raum können das ausdrücken und deutlich werden lassen, was zunächst nicht zu fassen scheint. Das daran anknüpfende Gespräch integriert das kreative Tun und Erleben.

Kreative Leibtherapeuten würdigen das subjektive Erleben des Menschen. Daraus resultiert die Haltung der Klientenkompetenz. Selbstverständlich bringen sie Vorschläge ein, aber sie unterstützen und ermutigen Menschen dabei, ihre eigenen Bilder, Vorstellungen, Gefühle und Werte zu entwickeln und ihnen zu folgen. Erfahrene Verletzungen haben oft mit einer Verletzung der Würde zu tun. Innerhalb der therapeutischen Begegnung im eigenen Erleben, wie es gerade ist, gewürdigt zu werden, befähigt Menschen, aus alten, verletzungsbedingten Mustern auszusteigen, neue Handlungsmöglichkeiten zu erproben und diese Veränderung ins Leben zu nehmen.

Die Kreative Leibtherapie wurde von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer seit Ende der 1980-er Jahre entwickelt und wird im Institut Zukunftswerkstatt therapie kreativ vermittelt. Ihren Ursprung hatte die Kreative Leibtherapie in der künstlerisch-therapeutischen Arbeit und versteht sich heute als eine Form tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie.

Das theoretische Fundament der Kreativen Leibtherapie sind die humanistische Psychologie, besonders aber die phänomenologische Philosophie (M. Merleau-Ponty und T. Fuchs), die Entwicklungspsychologie (besonders die Säuglingsforschung nach David Stern) und die neuesten Erkenntnisse aus der Neurobiologie (z.B. M. Spitzer und G. Hüther).