
Neurosystemische Integration
Traumatisches Erleben prägt sich tief in unser Nervensystem ein und bestimmt dadurch, wie wir uns selbst und die Welt wahrnehmen und welche Möglichkeiten wir haben, zu handeln und zu sein. Sehr oft ist der Spielraum darin sehr eng und festgefahren. Es wiederholen sich immer gleiche Muster von Handlungen, Beziehungen und Erfahrungen, die mit der Zeit leidvoller werden.
Das Wissen um Trauma hat sich in den letzten Jahren sehr vertieft und erweitert. Neurobiologie, Psychotraumatologie, Hirnforschung und Epigenetik zeigen, dass die verschiedenen Arten von Trauma zu sehr komplexen Folgen führen kann. Sie werden im Erleben eines Menschen auch über den Körper erfahrbar und wirken durch ein dysreguliertes Nervensystem auf allen Ebenen seines Seins.
Dieses neue Wissen ist die Basis für die Neurosystemische Integration nach Verena König. Sie ist ein ganzheitlicher Ansatz zur Traumabewältigung. Sie betont die Bedeutung von Sicherheit, Vertrauen und Verbundenheit im Heilungsprozess. Ein wesentliches Anliegen des therapeutischen Prozesses ist es, den Klient*innen zu helfen, ihr Nervensystem zu regulieren. Ausgeglichenheit und Ruhe sind oft Erfahrungen, die es ganz neu zu entdecken gilt. Dafür ist der Körper mit seinem Nervensystem der Raum, in dem sich die neue Fähigkeit bildet. Darauf aufbauend können Veränderungen in traumabedingten Erlebensmustern überhaupt erst entwickelt werden.
Die Neurosystemische Integration beruht auf drei Säulen:
• Beziehung: Dies meint zum einen, die Beziehung der Klientin zu sich selbst zu fördern und herzustellen, zum andern aber die Beziehung zwischen Therapeutin und Klientin. Darin sind Wertschätzung, Sicherheit, Transparenz und Begegnung auf Augenhöhe essenziell.
• Traumawissen: Die Zusammenhänge zu verstehen, wie Trauma im Nervensystem, in Körper und Psyche wirkt, ist grundlegend, um auch das eigene Erleben und Handeln einordnen zu können. „Alles, was du fühlst, ergibt Sinn.“ (Verena König) Insofern liegt darin auch die Zuversicht, dass sich über das Verstehen – und unter Einbeziehen des Körpers – leidvolle Muster lösen und integrieren können.
• Körper: Im Körper wahrzunehmen, welche „Sprache“ das Nervensystem spricht, ist ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. In ganz kleinen und achtsamen Schritten leite ich dich an, dich mehr wahrzunehmen und einordnen zu lernen, was in dir geschieht. Dabei helfen einfach Regulations- und Körperübungen, die die Selbstregulationsfähigkeit unterstützen.
Neurosystemische Integration arbeitet ressourcenorientiert. Dies bedeutet, dass es für Traumaintegration essentiell wichtig ist, eigene Ressourcen zu entdecken und zu nutzen, um Selbstregulation und dadurch auch Selbstwirksamkeit zu stärken. Ressourcen sind die Kraftquelle, um Veränderung zu ermöglichen.
Wir Menschen leben in Systemen und sind selbst in uns ein System von verschiedenen Erlebensweisen, sogenannten innerpsychischen „Anteilen“. Hier verbinden sich in der Neurosystemischen Integration Elemente aus der Systemischen Therapie und der Ego-State-Therapie nach Woltemade Hartmann. Dass jeder Mensch einen unversehrten Inneren Kern-Anteil, ein „heiles Selbst“ hat, ist eine Grundannahme der Therapie. So sehe ich als Therapeutin immer den Menschen – und nicht den Patienten oder gar die Diagnose. Und es bietet für jede*n Klient*in die Möglichkeit, mit der eigenen inneren Unversehrtheit stärkend und Vertrauen spendend in Berührung zu kommen.