
Kreative Leibtherapie
Udo Baer und Gabriele Frick-Baer entwickelten seit Ende der 1980-er Jahre die Kreative Leibtherapie als eine umfassende Psychotherapeutische Methode. Ihr Ursprung liegt in der künstlerisch-therapeutischen Arbeit und sie versteht sich heute als eine Form der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie.
Der Begriff „Leib“ erscheint altertümlich, er bezieht sich aber auf den indogermanischen Wortstamm „lib“, was „Leben“ und „lebendig“ bedeutet. „Leib“ meint mehr als den Köper: Leib ist der Mensch, wie er die Welt erlebt. Darum sind Erfahrungen mit den Sinnen (Sehen, Hören, Bewegen…) immer auch sinnhafte Erfahrungen, die den ganzen Menschen betreffen. Kreative Leibtherapie schafft Raum für den Ausdruck von inneren Bildern, Vorstellungen und Gedanken, von Gefühlen, von körperliche Empfindungen und auch für das Erleben von Beziehung. Dies ist ein für jeden Menschen einzigartiger Prozess, der in der dem Menschen eigenen Zeit und dem eigenen Rhythmus abläuft.
„Sein mit dem, was ist“, meint, das Phänomen, das sich im Erleben jetzt zeigt, als etwas Sinnvolles ernst zu nehmen und zu versuchen, es zu verstehen. Wenn da sein darf, was ist, kann sich auch entwickeln, was anders werden möchte.
Ein wichtiges Kriterium für die therapeutische Arbeit ist die Resonanz, die „Schwingung“, die im Raum, in der Interaktion zwischen Therapeutin und Klient*in entsteht und spürbar ist. Als Kreative Leibtherapeutin bin ich darin geschult, Resonanzphänomene wahrzunehmen, zu benennen und nach Bedarf in den therapeutischen Prozess einzubringen.
Wenn Worte allein nicht reichen, kommen kreative Methoden zum Tragen: Bilder, Gestaltungen, Töne, Klänge und Bewegungen des Körpers im Raum können das ausdrücken und deutlich werden lassen, was zunächst nicht zu fassen scheint. Das daran anknüpfende Gespräch integriert das kreative Tun und Erleben.
Meine therapeutische Haltung ist, das subjektive Erleben des Menschen zu würdigen. Wir nennen es Klientenkompetenz. Selbstverständlich bringe ich Vorschläge ein, aber ich unterstütze und ermutige Menschen dabei, ihre eigenen Bilder, Vorstellungen, Gefühle und Werte zu entwickeln und ihnen zu folgen. Darin liegt die Überzeugung, dass jeder Mensch einen „Inneren Kern“ hat, in dem individuelle Weisheit und Unversehrtheit erfahren werden können.
Kreative Leibtherapie ist trauma- und bindungssensibel. Erfahrene Verletzungen haben oft mit einer Verletzung der Würde zu tun. Innerhalb der therapeutischen Begegnung im eigenen Erleben, wie es gerade ist, gewürdigt zu werden, befähigt Menschen, aus alten, verletzungsbedingten Mustern auszusteigen, neue Handlungsmöglichkeiten zu erproben und diese Veränderung ins Leben zu nehmen.
Das theoretische Fundament der Kreativen Leibtherapie sind die humanistische Psychologie, besonders aber die phänomenologische Philosophie (M. Merleau-Ponty und T. Fuchs), die Entwicklungspsychologie (besonders die Säuglingsforschung nach David Stern) und die neuesten Erkenntnisse aus der Neurobiologie (z. B. M. Spitzer und G. Hüther).